Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Kreditkarten und Verschuldung: Wie viel Social Lending verträgt der Mensch 2.0?

without comments

Spiegel online berichtet mal wieder in der Form von einem längst salonfähig gewordenen “Ad-hoc-Häppchenjournalismus”, bei dem man nichts mehr kauen muss:

“Es sind drastische Maßnahmen, die das reiche Ölsultanat Brunei ergreift, um der Schuldenmacherei seiner Einwohner ein Ende zu setzen: Die Bürger dürfen künftig nur Kreditkarten der Bank behalten, bei der sie ihr Gehaltskonto haben. Das Kreditlimit orientiert sich dann am Einkommen. Privatkredite dürfen künftig nicht mehr per Kreditkarte bedient werden.”

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,672125,00.html

Damit sind wir beim Thema private Überschuldung.

“The best things in life are free”, ob dieses Motto gerade mit Blick auf die Geldphilosophie wirklich stimmt, kann der Leser zunächst an diesem Artikel hier überprüfen:

http://www.newstatesman.com/uk-politics/2010/01/money-essay-society-value

And yet, as the US sociologist Viviana Zeli­zer points out in her book The Social Meaning of Money, most people make a distinction between money to save and to spend; what to put to one side for a rainy day or to splash tomorrow. As a society, this would entail separating the business of making loans to households and businesses from the casino business in which hedge funds make big bets on the future. Mervyn King, the governor of the Bank of England, is the most high-profile advocate of such a separation.

Wo liegen die Alternativen mit Blick auf Social Banking 2.0 und Social Lending?

Zopa, the online peer-to-peer banking exchange that directly matches lenders with borrowers, is lending more than £2.5m ($4) a month. In Africa new microbanking systems are emerging, such as M-Pesa in Kenya, which uses mobile phones as its infrastructure and phone credits as its currency. M-Pesa launched in March 2007 and now has more than six million members in Kenya. We need more financial innovations such as Zopa, M-Pesa and Grameen, which are simple and clearly socially useful.

Anmerkung: Derzeit kursiert vielerorts ein falscher Wert, nämlich dass Zopa zwei Millionen Pfund pro Tag an Kreditvolumen verleiht, das stimmt natürlich bei aller berechtigten Euphorie nicht, wie man etwa hier bei Chris Skinner in einer offiziellen Stellungnahme von Zopa selbst nachlesen kann (Leserkommentar unten):

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2009/12/zopa-lending-near-2-million-a-day.html

Die Aussage von Zopa: 

We’re not quite ‘lending’ £2m a day – that’s the sum of money our lenders have on offer to borrowers. We look forward to the day we are lending £2m each day though!

Fazit:

Money does not make the world go round – not all the time, and never on its own. Money really brings meaning to our lives only when it helps us in our search for something more. If, as a society, we do not start that search for something more, money will rise to rule us again, to our ruin.

Mehr Infos gibts hier:

http://www.wethinkthebook.net/home.aspx

Nun aber wieder zurück zur Verschuldung, der der Mensch 2.0 genauso ausgesetzt ist, wie der Bankkunde 1.0. Und damit sind wir beim weltweit größten Wackelkandidaten in der Social Lending Agenda, Prosper.com in den USA. Wie kritisch dort die Situation mit Blick auf die Kreditausfallraten tatsächlich ist, zeigt ein Eintrag auf dem Firmenblog:

http://blog.prosper.com/2010/01/19/an-open-letter-to-the-big-money-retract-your-story/

Zurecht fragt Mark Gimein deshalb auf seinem Blog, warum das Risiko, dort als Anleger aktiv zu sein, weit höher ist, als es die Plattformbetreiber suggerieren:

http://www.thebigmoney.com/articles/money-trail/2010/01/18/you-are-unlikely-prosper?page=0,1

Wer die beiden Beiträge aufmerksam gelesen hat, wird feststellen, dass die Meinungen weit auseinander liegen. Prosper rechtfertigt sich mit der These, dass die Ausfallraten ein verzerrtes Bild abgäben:

Mr. Gimein discusses Prosper’s loans in the context of only cumulative unit default rates rather than in terms of the average annual returns lenders have earned.  For example, Mr. Gimein states that 39% of loans that have had a chance to come to maturity (originated prior to 12/31/2006) have defaulted.  What he doesn’t say is that the annual yield on these loans was 16% and the annual loss experienced by lenders was actually 20%, resulting in an annual average return of negative 4%.  Although this return is negative, put in the context of the largest recession in generations, and the performance of other asset classes during the same time period, this paints a very different and more accurate picture of how lenders have fared on Prosper.

Mr. Gimein continues to use his flawed methodology to state that 54% of loans with an interest rate of 18% or greater have defaulted, leaving the impression that lenders on these loans have lost over half of the funds that they lent, and that losses ran roughly three times the interest rate on loans.  Again Mr. Gimein is equivocating annual interest earned with cumulative default rates over a three year period.  Lenders on these loans lost 10% on an annual basis, and while not positive, it’s a far cry from the 54% loss that Mr. Giemein flawed analysis leads the reader to believe.

Quelle: Prosper-Blog

Wirklich nachprüfbar sind die einen wie die anderen Behauptungen kaum. man kann nur hoffen, dass die im Prosper-Weblog beschriebenen Maßnahmen zur Selbstregulierung und Neuorientierung greifen, es sitzt ja jetzt auch professioneller neuer Finanzsachverstand im Boot:

http://www.benzinga.com/press-releases/b84685/prosper-appoints-risk-and-analytics-chief 

Ob die auf diesem Weblog hier aufgeworfene Lösungsstrategie zu den “5 wichtigsten Verschuldungssünden” die richtige ist, nämlich mit Hilfe einer Peer-to-Peer-Plattform wie Lending Club zu “entschulden” – diese Wertung überlasse ich jedem Leser: 

http://www.consumerismcommentary.com/2010/01/21/the-5-worst-forms-of-debt/

Als dennoch  etwas sicherer Hafen zum Ansteuern scheint derzeit die “europäische Tradition” von Social lending zu dienen. Namentlich Smava und Zopa scheinen bislang solide zu wirtschaften:

http://www.americanchronicle.com/articles/yb/140173949

http://www.smava-blog.de/2010/01/20/neue-tv-beitrage-uber-smava-auf-der-ard/   

Was in der Finance-City von London wirklich abgeht, das beschreibt dieser Artikel auf der Plattform “This is London”:

http://www.thisislondon.co.uk/standard-business/article-23798155-city-spy-tim-wheeler-is-turning-air-blue-in-court.do

Da steht folgendes zu lesen, nämlich dass auch Banker mehr Gefallen an der britischen Variante Zopa finden könnten, als ihrem Arbeitgeber und so manch anderem gefallen könnte: 

The total number of loans arranged on Zopa, the internet “peer-to-peer” lending site where the lenders and borrowers decide the rate at which they do business, doubled last year, as did the money involved, from £30 million to £63 million. Zopa had 1,727 applications for loans from people who work in banks or other high street financial institutions. Why those who work for organisations, where they get preferential treatment in money matters, should look outside for loans is not explained. Perhaps these hopefuls trust other people rather than their own employers which, if true, says a lot. Zopa likes to think it’s because the site’s rates are better. Still, most of them faced disappointment as they were turned down, which also speaks volumes.

Das Fazit über die Zukunftsperspektiven von Social Lending fällt durchwachsen aus. Folgerichtig über die “Pros and “Cons”berichtet das Weblog von mint.com:

http://www.mint.com/blog/trends/the-pros-and-cons-of-social-lending/

Wie dem auch sei, der Markt wird weiter wachsen, trotz einiger “(Total)Ausfälle”, und er greift auch weiter auf die Unternehmen (Mikrokredite) über, wie sich am Beispiel von Zidisha skizzieren lässt, was sich auf dem Blog P2P-Banking nachlesen lässt:

http://www.wiseclerk.com/group-news/countries/africa-zidisha-p2p-microfinance-directly-to-the-entrepreneur/

Die große Zukunftsfrage aber bleibt, wie soziale Kreditgemeinschaften im Netz ihr Risiko-Chancen Profil seriös gestalten können, beleuchtet P2P-Banking, und fragt, ob sich dazu auch Daten aus sozialen Netzwerken heran ziehen lassen, um die “Risiken zu reduzieren”:

http://www.wiseclerk.com/group-news/process/defaults-for-debate-can-data-from-social-networks-be-used-to-reduce-risks-in-p2p-lending/  

Allerdings sehe ich bei vielen potenziellen Usern aus der “Financial Community” große Bauchschmerzen, gerade finanzrelevante sensible Daten aus sozialen Netzwerken zu ziehen, um diese jenseits von Schufa & Co. in die Bonitätsbewertung beim P2P-Lending einfließen zu lassen.

Glaube kaum, dass Smava davon begeistert wären, geschweige denn die Nutzer, oder genauer gesagt, mindestens die Kreditnehmer. Da wird doch gleich wieder eine “soziale Asymmetrie” der Interessen deutlich. Die Geber suchen ein solides Investment mit hoher Rendite, und die Kreditnehmer einen “sozialen” Kredit mit möglichst niedrigen Zinsen und moderaten Tilgungsbedingungen.

Abgesehen davon ist der Datenschutz im Web 2.0-Universium derart sensibel, dass die Kreditauktionsplattformen ihre eigenen Prinzipien in Frage stellen, wonach es kein Ausspionieren von Nutzerdaten geben soll, wie dies ja einige weniger freundliche Menschen gerade über Facebook & Co. tun.  

Financial Social Engineering und Daten extrapolieren – da würde man das grade frisch geborene Kinde namens Social Banking wohl mit dem Bade ausschütten, wenn man die Interessen der Investoren endgültig über jenen der Kreditnehmer ansiedelt, und das wäre kein Social Lending mehr, sondern allenfalls eine “Kreditbank 2.0″, die sich aber nur vordergründig durch das Label 2.0 von der Kreditbank 1.0 unterscheidet.   

Wie dem auch sei – hier kann man sich bei American Banking News einen Eindruck von den etwa bei Lending Club heran gezogenen Daten aus Facebook & Co machen:

http://www.americanbankingnews.com/2010/01/24/lending-club-using-social-networking-information-to-determine-borrower-risk/

Andere Experten schlagen wiederum vor, statt sozialen Netzwerken die Useraktivitäten etwa bei eBay in die Bonitätsbewertung von Social Lending einfließen zu lassen – Auch das erscheint mir nicht weniger als Social Engineering via Facebook ein Husarenritt durch feindliches Land zu sein – Was meinen die Leser dazu?

Written by lochmaier

Januar 26th, 2010 at 8:11 am

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