Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Schattenbanken: Buchauszug (1) – Agenda zum kritischen Erkenntnispfad

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Der Autor Lothar Lochmaier rückt vor allem die hintergründige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff Schattenbanken in den Mittelpunkt, jenseits von vorgefertigten Feindbildern und ideologischen Schablonen. Denn Schattenbanken können vieles sein.  

Die nun in drei Teilen folgenden Buchauszüge sollen nicht der Auftakt sein, hier einen Bestseller zu landen. Den könnte man vielleicht mit Titeln wie “Über Nacht reich” oder “Wie Staaten alle Schulden los werden” erzielen. Man müsste dabei nur scharf polarisieren, also ähnlich wie Sarrazin oder zu Guttenberg mit einem Feindbild punkten, und dann gleichzeitig auf den eigenen glorreichen Lösungsbeitrag verweisen, um wie Phoenix aus der Asche dazustehen. 

Das Ziel des szenarioartig angelegten Romans Schattenbanken besteht jedoch darin, den Lesern von Social Banking 2.0 einen kreativen Zugangscode zwischen alter und neuer Bankenwelt zu ermöglichen. Wenn das gelingt, dann hätte die vorliegende Arbeit ihren Sinn erfüllt. Hier also nun der erste von drei  Blickwinkeln (es folgen morgen und übermorgen Textpassagen zu Limes und Virology), nämlich derjenige in die Geschicke der fiktiven Frankfurter Handelsbank:  

Als Sebastian Heilfrisch vor zwei Jahren seinen Job bei der Frankfurter Handelsbank* (der Name der Bank ist wie alle handelnden Personen rein fiktiv, eine Ähnlichkeit mit lebenden Akteuren wäre rein zufällig) antrat, schien er genau zu wissen, was ihn dort erwartete. Der für IT-Sicherheit verantwortliche Chef war ein akribischer Pedant.

Seine Detailversessenheit im Beruflichen hatte ihn weit gebracht, ihm aber in seiner mittlerweile fast zwanzigjährigen Ehe die eine oder andere Existenzkrise eingebrockt. Welche Frau war schon gerne mit einem Besserverdiener und Besserwisser verheiratet, der als chronischer Skeptiker praktisch immer recht zu haben schien.

Wer so penibel im Beruflichen wie im Privaten agierte, wie es der Sicherheitschef tat, der brauchte für den Spott der Nachbarschaft nicht zu sorgen. Im spärlich bestückten Freundeskreis wurde er wegen seines vorsichtigen Sozialverhaltens nur als Heil und Frisch bezeichnet. Wenn ihm das Geschwätz der anderen zu bunt wurde, packte er seine Schuhe und trabte zum Joggingparcours, um den Kopf von allen arglistigen Anfeindungen frei zu bekommen.

»Ach, bring doch noch frische Brötchen vom Bäcker mit«, rief ihm Constanze noch beim Verlassen der Wohnung zu. Das gemeinsame Frühstück war für die Heilfrischs wie der sonntägliche Kirchgang ein festes Ritual. Er beendete seine Runde durch den frühlingshaften Grunewald mit rhythmisch kreisenden Armen, wie ein Helikopter, der mehrfach um die eigene Achse rotiert. An der Türe nahm ihn seine vor einem Jahr volljährig gewordene Tochter Hannah in Empfang. Einen kleinen Seitenhieb konnte sie sich nicht verkneifen: »Und, bist Du diesmal in keine Hundekacke rein gelaufen wie beim letzten Mal? «

Letztlich aber machte sich Heilfrisch aus den Zweifeln und Nörgeleien anderer Menschen nicht all zu viel. Er nahm die eigene Spezies wahr als Parcours von Slalomstangen, die es im Hochgeschwindigkeitstempo elegant zu umsteuern galt. Die Gedankenwelt des Chief Security Officers kreiste sowieso meistens nur um seinen Job.

Alles andere war reine Nebensache, sogar seine beiden fast flügge gewordenen Kinder Max und Hannah. Aber um die kümmerte sich ja seine pflichtschuldige Ehefrau, der er auch sonst alles Wichtige in familiären Angelegenheiten nur allzu gerne überließ, das er insgeheim natürlich für völlig nebensächlich hielt.

Als der hagere Sicherheitsmann mit unauffälliger Statur und der angenehmen Erscheinung am Montag früh in seinem Büro ankam, hatte er sich wie immer perfekt vorbereitet. Heilfrisch rüstete sich für die bevorstehende Dienstbesprechung mit Verschlusssache. Die technischen Unterlagen zur neuen Brandschutzmauer, die er heute dem Vorstand zu präsentieren gedachte, allesamt hatte er sie akribisch im Flieger zwischen Berlin und Frankfurt studiert.

Jetzt sollte er das Firewall-Konzept neu konfigurieren, was einer absoluten Verharmlosung dieses ungewöhnlichen Vorgangs gleichkam. Dabei hatten er und andere längst den Überblick verloren, ob sich der Feind gerade innerhalb oder außerhalb des eigenen Netzwerks zu bewegen gedachte. Bei einem Global Player mit verteilten Standorten und zahlreichen Filialen im In- und Ausland war die Sache sowieso reichlich unübersichtlich. Aber Heilfrisch war es gewohnt, die Dinge irgendwie in den Griff zu bekommen.

Die Biographie des Herrschers über das sensible Datenreich verlief bis dato ohne jegliche Bruchstelle. Der effiziente Karriereplaner hatte alles richtig gemacht. Zunächst das Studium der Wirtschaftsinformatik, dann spezialisierte er sich im Zeitalter der ersten großen Virenausbrüche in der Computerwelt auf die IT-Sicherheit.

Ganz nebenbei, mit dem ersten Jobantritt bei einem IT-Dienstleister, heiratete er Constanze, die er auf einer ziemlich langweiligen Studentenparty an der Technischen Universität in Berlin kennen gelernt hatte. Er gründete eine Familie. Alles lag im Masterplan mit zwei Kids, einem Sohn und einer Tochter, um die er sich aufgrund ihrer bereits eingetretenen Volljährigkeit kaum mehr Sorgen machen brauchte.

Seine fürsorgliche, gleichwohl leicht zur Depression neigende Gattin, die ihr Jurastudium nur bis zum ersten Staatsexamen weiter voran getrieben hatte, hielt ihm den Rücken frei. So durfte er sich ganz seiner beruflichen Passion widmen. Er sah sich als Joker, wenn es darum ging, Unternehmensdaten zu schützen und alle möglichen Sicherheitslöcher zu stopfen, noch bevor diese einen gefährlichen Flächenbrand im Unternehmen auslösten. Es war für Heilfrisch dabei letztlich unerheblich, ob diese von außen oder von innen durch Schlamperei, Sabotage, Geldgier, Wirtschaftsspionage und andere menschliche Unzulänglichkeiten verursacht worden waren.

Gegenüber seinen Kollegen trat er mit breiter Brust auf, gerade weil er alle relevanten Sicherheitsdomänen fachlich souverän beherrschte. Angefangen von der Datenverschlüsselung, der sicheren Softwareentwicklung, dem Überblick über die passenden Konfigurationen – oder wenn es sich um die Kunst der richtigen Passwortwahl drehte.

Immer war er seinen Mitarbeitern einen Schritt voraus, weil er nach Feierabend noch die neuesten Papiere studierte. Der Tausendsassa wusste überall Bescheid, bis hin zum eingehenden Testen aller erdenklichen Schwachstellen, wo externe Sicherheitsspezialisten alle Systeme auf Herz und Nieren überprüften, indem sie wie professionelle Computerhacker vorgingen, um mit aller Macht in die Netzwerke der Frankfurter Handelsbank einzudringen.

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Zur offiziellen Buchpräsentation auf dem Weblog des Autors geht es hier

Link zum direkten Download auf der Plattform Xinxii.com 

Written by lochmaier

Dezember 6th, 2011 at 7:59 am

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