Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Archive for April, 2013

Crowdfunding – Interview Volksbank Bühl: “Viele schaffen mehr”

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Im letzten Beitrag habe ich das erste deutsche Crowdfunding-Projekt einer Sparkasse vorgestellt. Mit Viele-schaffen-mehr.de startet die Volksbank Bühl heute in der Region eine spannende IT-Infrastruktur, über welche lokale Vereine und gemeinnützige Organisationen neue Projekte finanzieren können.

Das Projekt verfolge allerdings im Kontrast zum unternehmerischen Crowdinvesting keinerlei wirtschaftliche Interessen, skizziert Innovationsexperte Franz Sebastian Welter von der Volksbank Bühl im Gespräch mit Social Banking 2.0.

Viele-schaffen.mehr (Volksbank Bühl) - Crowdfunding Portal -- Logo

Social Banking 2.0: Herr Welter, Crowdfunding scheint mehr als ein kurzlebiger Hype, sondern eine – richtig angewendet – sehr sinnvolle Sache zu sein. Warum zögern Banken bislang, solche Projekte in Eigenregie zu starten?

Franz Sebastian Welter: Ehrlich gesagt, ist es schwierig, das abschließend zu beantworten. Ich denke, es gibt mehrere Gründe, die für dieses zögerliche Vorgehen verantwortlich sein könnten: zu wenig Erfahrung mit dem Thema, Angst vor Kannibalisierung, andere Prioritäten (Stichwort: Finanzkrise), nicht das richtige Personal zur Umsetzung usw. Man darf aber auch nicht verkennen, dass zumindest Gerüchten zufolge mehrere Banken an verschiedenen Crowdfunding bzw. Crowdinvesting-Ansätzen arbeiten.

SB 2.0: Wie sieht es in der internationalen Perspektive aus, kennen Sie Banken und Finanzdienstleister, die Crowdfunding verstärkt nutzen, sehen Sie schon so etwas wie Best Practices, oder sind alle noch Lernende auf diesem Gebiet?

Etablierte Banken mit einem längerfristigen und nachhaltigen Crowdfunding-Ansatz sind mir nicht bekannt. Natürlich gibt es die bekannten Beispiele aus anderen Branchen wie kickstarter oder in Deutschland startnext, seedmatch usw. Und die Fidor Bank arbeitet an einem interessanten Ansatz, Crowdfunding in ihr Banking zu integrieren. Insgesamt würde ich allerdings sagen, dass die Banken auf diesem Gebiet alle noch zu den Lernenden zählen und es bisher keine richtigen Best-Practice Beispiele von Banken gibt.

SB 2.0: Wäre Crowdfunding nicht gerade anhand der eigenen Tradition für Sparkassen und Volksbanken ein ideales Instrument der Kundenbeteiligung?

Sicherlich. Gerade für Volksbanken könnte Crowdfunding eine Möglichkeit sein, dass genossenschaftliche Prinzip „Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen viele“ auf das Internet zu übertragen. Meines Erachtens eine herausragende Chance. Aber auch für andere Regionalbanken ergeben sich gute Möglichkeiten damit.

SB 2.0: Welches sind die Motivation und Ziele, dass die Volksbank Bühl jetzt das erste Crowdfunding-Projekt einer deutschen Genossenschaftsbank startet?

Wir haben in den letzten Jahren eine schöne Entwicklung durchlebt. Vor etwa fünf Jahren haben wir mit unseren Social Media Aktivitäten begonnen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir viel gelernt und uns kontinuierlich weiterentwickelt. Auf unsere Social Media Aktivitäten folgte die Gründung unserer InnovationsWerkstatt und in 2012 die Einführung einer Enterprise 2.0 Plattform. Sowohl durch unseren externen als auch internen Social Media Aktivitäten konnten wir viel lernen. Crowdfunding war für uns so etwas wie der nächste Schritt in diesem Prozess. Wie vorhin schon erwähnt, sehen wir in Crowdfunding eine Möglichkeit, die genossenschaftliche Philosophie auf das Internet zu übertragen und damit einen bestehenden Wettbewerbsvorteil zu digitalisieren.

SB 2.0: Beschreiben Sie das Projekt bitte für die Leser genauer, vor allem auch in Abgrenzung zum Crowdinvesting, Spenden- vs. Investments, Beteiligungs- und Belohnungssysteme, strukturelle Aufstellung etc.?

Mit „Viele-schaffen-mehr.de“ wollen wir in unserer Region eine Infrastruktur schaffen, über welche Vereine und gemeinnützige Organisationen aus unserem Geschäftsgebiet gemeinnützige Projekte finanzieren können. Und das ist auch schon die Abgrenzung zu Crowdinvesting und weiteren Projekten – wir haben keinerlei wirtschaftlichen Interessen. Gebühren, die aus dem Zahlungsverkehr entstehen, werden auch von uns übernommen. Darüber hinaus unterstützt die Volksbank Bühl die Projekte mit 10.000 EUR. Das folgende Video beschreibt die Plattform: (Video ab Montag in unserem Youtube Kanal)

SB 2.0: Wie stellt man eine solide Mannschaft zusammen, um solch ein Projekt erfolgreich zu Ende zu führen?

Da wir seit mehreren Jahren im Web 2.0 unterwegs sind und bereits vor einigen Jahren unsere InnovationsWerkstatt gegründet hatten, konnten wir in der Volksbank Bühl auf ein tolles Team zurück greifen. Natürlich haben wir die Plattform nicht alleine entwickelt. Mit der VR-NetWorld, T-Systems MMS und nicht zuletzt tyclipso (startnext.de) hatten wir hochkarätige Partner, die ihr Know-How eingebracht haben. Die Mischung hat es gemacht. Ohne unsere Partner hätten wir das Projekt nicht realisieren können.

SB 2.0: Für welche Bereiche, sprich Vorhaben im Umfeld von lokalen Banken, eignet sich denn Crowdfunding generell, für welche eher nicht?

Schwierige Frage. Das wird sich zeigen müssen. Momentan glaube ich, dass der Ansatz, gemeinnützige Projekte zu finanzieren, auf regionaler Ebene die größten Erfolgschancen hat. In Bezug auf Crowdinvesting gibt es auf regionaler Ebene noch zahlreiche Hürden und offene Fragen – z.B. hinsichtlich des Risikomanagements.

SB 2.0: Die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt konnte im vergangenen Jahr aufgrund der kommunalen Finanzklemme erfolgreich das renovierte Freibad über ein Crowdfunding-Projekt wieder in Betrieb nehmen. Die Initiatoren sehen das aber eher als Ausnahme an, also nicht beliebig wiederholbar an. Würden Sie dem zustimmen?

Auch das wird sich zeigen müssen und wir werden die Plattform vorerst für einen Zeitraum von ungefähr vier Monaten online stellen. Allerdings werden wir „Viele-schaffen-mehr.de“ in der Anzahl der online gestellten Projekte nicht begrenzen. Die Resonanz auf die Plattform entscheidet dann darüber, wie wir nach den 4 Monaten mit der Plattform weitermachen.

SB 2.0: Wie sieht nun das weitere Vorgehen und Prozedere bei Ihrem Projekt genau aus?

Heute um 15.00 h findet die Pressekonferenz statt und die Plattform geht online. Gemeinnützige Organisation und Vereine haben ab jetzt die Möglichkeit bis zum 16. Juni 2013 ihre Projekte auf der Plattform „Viele-schaffen-mehr.de“ vorzustellen. Vom 16. Juni bis 30. Juni 2013 müssen dann Fans gesammelt werden. Nur wer die erforderliche Anzahl von Fans erreicht, kommt in die Finanzierungsphase. Diese läuft vom 01. Juli – 31. August 2013. In der Fundingphase wird die jeweils erste Spende der ersten 2.000 Spender mit 5 EUR der Volksbank Bühl bezuschusst.

SB 2.0: Wie können Kunden und Volksbanken denn gleichzeitig profitieren, indem sie regionale Vorhaben gemeinsam per Crowdfunding ins Zielgebiet steuern? Gibt es dazu einen Königsweg, oder sollte sich jede Genossenschaftsbank 2.0 hier individuell an ein passendes Lösungsmodell heran tasten?

Ein Königsweg wurde hier sicherlich noch nicht gefunden. Wir versuchen jetzt mal unseren Ansatz und dann können wir in einigen Monaten noch mal darüber sprechen, ob das ein Königsweg sein kann. Außerdem wissen wir dann mit Sicherheit auch schon, ob andere Volks- und Raiffeisenbanken Interesse an der Plattform haben und ob die Plattform eventuell auch bundesweit ausgerollt werden kann.

SB 2.0: Und eine letzte Frage: Matthias Kröner von der Fidor Bank sagte kürzlich sinngemäß auf einem Vortrag in London, das historische Problem bei Raiffeisen war, dass er damals noch kein Social Media zur Verfügung hatte, um das Genossenschaftsprinzip auf breiter Front anzuwenden. Wo sehen Sie Chancen, aber auch Grenzen, in der aktiven Kundenpartizipation über die sozialen Medien in den Kerngeschäftsprozessen einer Bank?

Das Web 2.0 bietet Volks- und Raiffeisenbanken unzählige Chancen, wie zum Beispiel die Digitalisierung des genossenschaftlichen Prinzips aber auch z.B. die Übertragung von Kundenbeziehungen auf das Internet via Social Media. Darüber hinaus entstehen gerade viele verschiedene Geschäftsmodelle auf Basis des Web 2.0 in der Finanzdienstleistungsbranche. Und viele davon haben das Potenzial, das Credo „Was der Einzelne nicht vermag, vermögen viele“ im Internet erlebbar zu machen. Grenzen sehe ich vor allem in der Thematik ‚Datenschutz versus Transparenz’. Beim Thema Finanzen sind viele Menschen sehr zurückhaltend, wenn es um sehr innovative und transparente Dienstleistungen im Netz geht, vielleicht eine Hürde für Modelle wie Crowdinvesting – insbesondere auf regionaler Ebene.

Interview: Lothar Lochmaier

Und hier noch ein Video zum Projektstart der Voba Bühl, das vielleicht mehr als tausend Worte sagt: 

Written by lochmaier

April 29th, 2013 at 7:05 am

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Crowdfunding: Wie die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt das Freibad rettete

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Aufgrund der Sonnenstrahlen traue ich mich jetzt vom Freibad zu reden: Oder: Eine Bank traut sich was … 

Wie die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt von der kollektiven Schwarmintelligenz profitierte. Rund 300.000 Euro fehlten der Kommune in Gummersbach-Bergneustadt und dem Freibad, um die eigene Zukunft zu sichern. Dann kam angesichts von Sparzwang und Nothaushalt die rettende Idee, um den Verlust eines weiteren Stückchens Lebensqualität vor Ort zu verhindern.  Vielleicht ziehen die Volksbanken ja bald nach…

In einer einzigen Aktion sammelte das Geldinstitut im vergangenen Jahr binnen weniger Wochen die geforderte Summe von 200.000 Euro. Weitere 100.000 Euro steuerte die Sparkasse selbst bei. Die Sammlung geriet dabei zum „Kampf gegen die Uhr“, wobei der tagesaktuelle Spendenstand über drei Monate via Homepage und in allen Bergneustädter Geschäftsstellen präsent war. Zudem veröffentlichten die Verantwortlichen den Spendenstand via Twitter und in anderen sozialen Medien. Nachdem die Kredite Mitte 2011 ausgezahlt wurden, nahm das wiedereröffnete Freibad am 12. Mai 2012 seinen Betrieb erneut auf.

Im Gespräch beschreibt Sparkassendirektor Frank Grebe, wie der Ausweg aus der prekären Finanzklemme gelang.  

Warum hat die Sparkasse auf Crowdfunding als Finanzinstrument für das Freibad zurück gegriffen, gab es keine Alternativen?

Frank Grebe: Von kommunaler Seite konnten aufgrund der Nothaushaltslage keine Mittel zur Verfügung gestellt werden. Der Sport- und Förderverein des Freibades, als neuer Pächter und Betriebsführer (seit 2010), verfügte nicht über die von der NRW-Bank zur Kreditgewährung geforderten Eigenmittel.

Welche Voraussetzungen müssen für ein derartiges Projekt gegeben sein, damit die finanzielle Schwarmintelligenz erfolgreich ist?

Das Projekt muss massentauglich sein. Außerdem ist eine hohe Emotionalität in der Öffentlichkeit erforderlich, so dass die Verbreitung der Thematik zum Selbstläufer wird (Mund-zu-Mund-Propaganda etc.).

Wie war die Resonanz in der Stadt, sind die Menschen, aber auch die Verantwortlichen generell offen für ein derartiges, noch relativ ungewöhnliches Finanzierungsinstrument jenseits der konventionellen Wege?

Es hatte bis dato keine vergleichbare Aktion in der näheren Umgebung gegeben, so dass das Thema Crowdfunding noch nicht abgenutzt war. Außerdem waren plötzlich all diejenigen in der Pflicht, die vorab lautstark den Erhalt des Freibades eingefordert hatten. Ob diese oder eine vergleichbare Aktion nochmals zu dem gleichen Erfolg führen würde, darf bezweifelt werden.

Laut den Unterlagen wurde das Freibad am 12.05. 2012 eingeweiht, wie darf man sich das vorstellen? Waren die “Crowdfunder” daran beteiligt?

Es gab eine öffentliche Ausschreibung des Eröffnungstermins. Leider muss man die Resonanz am 12.05. als bescheiden beschreiben. Das kann allerdings auch daran liegen, dass die Öffentlichkeit bereits im Rahmen eines „Tag der offen Tür“ (April 2012) die Gelegenheit hatte, sich das Freibad anzusehen.

Wer hat bzw. welche Gruppen haben denn am meisten gespendet oder investiert?

Die größten Beträge wurden durch die heimische wirtschaft bereit gestellt, alleine die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt hat mit 100.000,– € ein Drittel der Summe gespendet. Insgesamt haben aber auch eine extrem hohe Anzahl an Privatpersonen (z. T. anonym) gespendet (Direktüberweisung aufs Spendenkonto, Haussammlungen, Sammlungen auf Spendenveranstaltungen etc.).

 Gibt es irgendwelche Rückvergütungen oder “Erfolgsbeteiligungen” für die “Spender” bzw. Investoren, wenn ja, wie sehen die konkret aus?

Ein monetäres Rückvergütungs- oder Erfolgsbeteiligungsmodell gibt es nicht. Der persönliche Erfolg stellt sich bei den Crowdfunder dadurch ein, dass das Freibad gerettet werden konnte. Zudem werden Großspender auf einer Hinweistafel im Eingangsbereich präsentiert.

Kann Crowdfunding – oder in der professionellen Variante für kleine oder mittelständische Betriebe das Crowdinvesting – ein probates Ergänzungsinstrument sein, von dem auch Sparkassen generell jenseits vom Social Sponsoring und Fundraising profitieren können, oder bleibt das eine Randerscheinung?

Crowdfunding wird mit Sicherheit zu einem wichtigen Instrument heranreifen, da kommunale Unterstützung zukünftig eher geringer als höher ausfallen wird. Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung in eine Spendenaktion ist dabei aber, dass es nur in Maßen eingesetzt wird und nicht wöchentlich neue Projekte gestartet werden.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

April 26th, 2013 at 2:17 pm

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Green Crowdfunding: Deutschland nicht nur Follower

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Deutschland ist gerade in der Bürgerbeteiligung zur Energiewende der globale Vorreiter, nach dem Ausstieg aus der Atomenergie. Eine Welle schwappt in diesem Fall auch mal (okay, fast) von der anderen Seite über den großen Teich.

Die Online-Plattform „LeihDeinerUmweltGeld“ ermöglicht privaten Investoren einen leichten und direkten Zugang in den Sektor der erneuerbaren Energien. Der Einstieg ist bereits ab 100 Euro möglich. Die Beteiligungen werden ausschließlich als Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt angeboten. Die Rendite kann hierbei in Form eines reinen Festzinses, einer reinen Gewinnbeteiligung oder einer Mischung aus beidem erfolgen.

Neben Projekten der regenerativen und dezentralen Energiegewinnung sollen auf der neuen Plattform LeihDeinerUmweltGeld aber auch andere Projekte finanziert werden, die einen positiven Einfluss auf Umwelt, Gesellschaft und das Klima haben. Dabei entscheiden die Anleger selbst, in welche Projekte ihr Kapital fließt, um so in den Genuss einer „nachhaltigen Rendite“ zu gelangen.

Mit dem Solarstrompark Liebenthal ist das erste Vorhaben bereits gestartet. Weitere Vorhaben sollen folgen. Das Prozedere soll laut den Initiatoren ähnlich wie ein Online-Marktplatz funktionieren: Engagierte Bürger kaufen und verkaufen ihre Umweltkredite direkt von Bürger zu Bürger. Der Plattformbetreiber wiederum zeichnet verantwortlich für die gesamte Abwicklung des Handels.

Der Clou: Sowohl für den Käufer als auch Verkäufer sei der Dienst vollständig kostenfrei, lässt die LeihDeinerUmweltGeld GmbH verlauten. Als Bankpartner baut die Plattform auf die Fidor Bank AG. Das Web 2.0-affine Geldinstitut stellt ein Treuhandkonto zur Verfügung und fungiert als exklusiver Zahlungsdienstleister.

Auch hier muss das finanzielle Schwungrad der neuen Ökoindustrien nicht gänzlich neu erfunden werden. Vieles wird aber davon abhängen, wie weit es den jeweiligen Projektinitiatoren gelingt, für vollständig transparente Abläufe zu sorgen.

Im Klartext: Das Projektziel sollte nicht darin liegen, um jeden Preis ein Finanzloch für ein Vorhaben noch dazu in Schieflage zu stopfen. Im negativen Szenario fiele ein etwaiger „shitstorm“ im Netz anschließend direkt auf den Urheber eines Umweltprojekts zurück. Der Schaden einer misslungenen Crowdfunding-Initiative könnte dann auch auf andere Betreiber überstrahlen. Siehe dazu auch meine vierteilige Serie zum Thema Crowdinvesting.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der neuen Plattformen sind ohnehin ziemlich unterschiedlich. Das Gros der Angebote bezieht sich auf meist kleinere Solar- und Photovoltaikprojekte. Umso mehr sollten Anleger sorgfältig deren Chancen und Risiken prüfen. Neben LeihDeinerUmweltGeld gibt es weitere Spieler am aufstrebenden neuen Markt. Beim Portal Greenvesting etwa kamen in weniger als vier Wochen mehr als 100.000 Euro für eine Photovoltaikanlage in Usedom zusammen.

Auch der Betreiber crowdener.gy finanzierte über die „Crowd“. erfolgreich eine Dach-Solaranlage in Ahrenshagen (Mecklenburg-Vorpommern). Beteiligt haben sich 27 Investoren. Durchschnittlich rund 1.500 Euro je Vorhaben steuern private Anleger in die Projekte ein. Die Betreiber setzen dabei auch auf die partnerschaftliche Kooperation mit dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV).

Und als Geldinstitut ist – wie bei der LeihDeinerUmweltGeld GmbH – auch dort die Fidor Bank mit im Boot. Die Rendite für die ersten beiden abgeschlossenen Projekte bei crowdener.gy liegt zwischen sechs und acht Prozent. Der Vermittler wiederum refinanziert sich durch eine fünf- bis zehnprozentige Erfolgsgebühr, entrichtet direkt von der Energiegenossenschaft.

Neben der Sonnenenergie spielt auch die Energieeffizienz im Mittelstand eine Rolle, so etwa bei Bettervest. Aktuell setzt die Internet-Plattform den Schwerpunkt auf das Energiesparen über LED-basierte Beleuchtungskonzepte. Das Besondere: Ein Teil der durch innovative Technologien erzielten Energieeinsparung fließt in Form einer zusätzlichen Rendite wieder an die Unterstützergemeinde zurück.

So kann quasi jeder Bürger seinen Beitrag zum Energiesparen leisten. Rechtlich gesehen erwirbt man mit seiner Investition bei bettervest entweder ein Genussrecht oder eine stille Beteiligung, die dem Investor eine Partizipation an den erzielten Kosteneinsparungen der Energieeffizienzmaßnahme einräumt.

Als reiner Vermittler, ähnlich wie die Auktionsplattform eBay, sieht sich demgegenüber die Milk the Sun GmbH. Der Betreiber fungiert in erster Linie als Online-Marktplatz für Photovoltaik-Anlagen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen überlässt es dem Geschick der Anleger, die auf der Plattform präsentierten Projekte durch einen eigenen individuellen Qualitätscheck auf Herz und Nieren zu überprüfen.

Aber: Scheitern derartige Projekte, droht der Totalverlust, warnen Experten der Verbraucherzentrale. Mit anderen Worten: Jeder Anleger sollte sich fundiert mit den jeweiligen Chancen und Risiken eines neuen Projekts auseinanderzusetzen. Ansehen sollte man sich dazu unter anderem die Erfahrungsberichte anderer Nutzer über die Plattform. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual.

So sind vor dem finanziellen Einstieg die zuvor bereits skizzierten diversen Rechts- und Anlageformen zu prüfen: Von GmbH & Co KG und Genussrechten, über Inhaberschuldverschreibungen, bis hin zum Darlehen. Da es sich derzeit meist um bereits realisierte Vorhaben handelt, sollten sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten. Um jedoch drastische Auswirkungen einzelner in Schieflage geratener Vorhaben besser abzufangen, könnte ein Risikopool dazu beitragen, die Nebenwirkungen auf mehr Schultern zu verteilen.

Jedoch existiert derzeit hier in den systemischen Modellen des finanziellen Umweltschwarms noch nirgendwo eine Art Blaupause. Und genau deshalb halten die Verbraucherschützer auch den Einstieg bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) für zu riskant. Denn hier haften die Anleger sogar mit ihrem gesamten privaten Vermögen. Zusammengefasst: Unabhängig von der Anlageform sollte der private Investor sich nie in ein Vorhaben einkaufen, was dieser nicht vollständig verstanden hat.

Written by lochmaier

April 25th, 2013 at 7:41 am

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Trillionfund: Mit Crowdfunding zur Energiewende von unten

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Das Prinzip Crowdfunding, oder genauer, da es sich ja hier nicht ums Spenden handelt, Crowdinvesting/Crowdfinancing, lässt sich auf den Bereich Energie übertragen. Da schlagen wir uns seit geraumer Zeit mit den Tücken der Energiewende herum. Preisfrage: Können hier spezielle Plattformen einen Mehrwert bieten, bei dem viele Anleger mit kleinen Beträgen Projekte im Bereich Erneuerbare Energien fördern?

Über diese spannenden Fragen zur Crowd und der Energiewende habe ich mit Dr. Michael Stein, dem Gründer und Direktor des in London angesiedelten Trillion Fund unterhalten – einer Plattform, die versucht, den Crowdinvesting-Ansatz in das sensible Terrain der Erneuerbaren Energien zu übertragen – und sich dabei als eine Art Informationsschnittstelle positioniert. 

Das Crowdfunding, die Schwarmfinanzierung über das Internet, gewinnt dabei vor allem als dezentrale Beteiligungsvariante an Bedeutung. Bei der britischen Crowdfinancing-Plattform Trillionfund etwa können Anleger bereits mit minimalen Beträgen ausschließlich in Erneuerbare-Energien-Vorhaben einsteigen. Auch in andere Länder möchte Trillionfund nach erfolgter Zulassung durch die britische Finanzbehörde FDA expandieren. Noch klingt das Vorhaben der Macher nach Zukunftsmusik, aber die ersten Töne sind vielversprechend.

Die Kernbotschaft lautet: „Wenn 10.000 Menschen nur jeweils 100 Pfund geben, statt dass 10 Investoren jeweils 100.000 Pfund investieren, dann sind die 10.000 zusammen eine viel mächtigere Bewegung für einen Wandel im Umgang mit der Umwelt”, betont Trillionfund-Gründer Michael Stein. Aber lesen Sie selbst …

Social Banking 2.0: How was the idea to start with a Trillion Fund born, to start a Crowdlending Platform for the renewables energy sector?

Dr. Michael Stein: I met James Lovelock (Anmerkung: Ein Chemiker und Umweltethiker, der 1991 das Buch “Gaia Prinzip: Die Biographie unseres Planeten” veröffentlichte) and had a one-to-one with him and his wife Sandy about two years ago. After reading his books and then looking at the data myself (I am a scientist by training), I realised the scale and urgency of the need to punch through the powerful fossil-fuel lobby and persuade politicians to change policy.

The only realistic way I could think of was to engage directly with “people and their pockets”. Profit is a powerful motivator and I realised there is a big profit opportunity being overlooked.

The problem is that infrastructure projects of a large-enough scale to generate big profits are not easily accessible to ordinary investors – you need tens or hundreds of thousands of euros to get into the deal. So crowd-financing, or as I prefer to call it: “connected-community finance” was an obvious way to go. The community then effectively becomes a group of lobbyists and promote their interests to the politicians through their own actions.

Just look at what has happened in Germany. More than 50 per cent of its citizens are direct investors. And look at what has happened to energy policy there as a result. Now we need to take that out to the rest of the world by quickly leveraging the internet and social media.

What are the targets behind, to make money or more to bring people together to push decentralised energy projects?

The aim is to both bring people together to make money and to fund energy projects collectively. It is win:win. The buying power of the crowd is much stronger than that of the individual.

Crowdfunding for one part is a trendy topic, but it is also necessary to be transparent for the users and concording to the rules of the financial authorities. How do you manage that with the Trillion Fund?

We decided to go down the more onerous but in the end, much more credible route of getting registered under the regulatory umbrella of our partner, Sapia Partners LLP. 

We believe absolute transparency is essential to gain the trust of our members (investors) and developers. But we also want to encourage people to feel confident about making their own decisions with their own money as far as possible, within that regulatory framework.

What are the possible user groups, joining the Trillion Fund?

In a word: everyone! This is a global challenge of enormous scale. We want to encourage everyone to come to us to see what their options are and educate themselves on how to make good, ethical investment decisions. We think our users will like the deals we offer, but we will be equally happy if they come and learn from our site, absorb some of our ethos and then invest elsewhere. We will be delighted if everyone uses us as their jumping-off point by reading our blogs, tweets and web information to become better educated about renewable energy investment, so that they can hopefully enjoy the experience of investing in this way.

Do you have already successfully financed projects, locally or worldwide?

We are focused on launching in the next few weeks at a local level. We think small steps are required – to learn and evolve and also to ensure the regulators are happy. We want to do this right and most importantly we want to have the ‘crowd’ guide our development: ultimately it will be our members who tell us what investments to go out and find.

Do you see Crowdfunding (or in your case more concrete: Crowdfinancing) as just an additional part in the finance industry for the energy transition, or could it create a new independant “step”, challenging also the traditional banking and energy sector?

We feel that the world needs a fresh and powerful brand to help lead the way away from fossil fuels and into renewables. A challenge to traditional financial and energy models is already taking place as people who are dissatisfied with the current status quo find their voices through online social networks.

There has been a sudden surge of technological innovation in the financial sector, but this has come later than in other industries, such as travel. This innovation is enabling people to act upon their growing desire to take more control over their own financial affairs. There is a general shift towards greater financial capability and independence for everyone. We are tapping into this shift to create our own “renewable financial movement”.

And a last question: How do you see the next steps in the development of Trillion Fund?

We want to achieve global recognition for Trillionfund as a place where people, communities, organisations and big retail brands can channel more money into scaling-up renewable energy sources.  Time is pressing and every day over 90 million tonnes of Greenhouse Gas emissions are pumped into our atmosphere. Fossil fuels are causing climate change as well as acidifying our oceans. Our planet’s buffer systems are exhausted so we need to act now. Everyone knows in their gut that something is wrong. Trillion Fund gives everyone the opportunity to invest and to make a difference. 10,000 people investing £100 achieves the same monetary outcome as 10 people investing £100,000. But if you have 10,000 people involved, those individuals together are a much more powerful force for an overall change in the way we think about our relationship with the environment, other people and our money. A little contribution from everyone is of huge benefit for all of us. Our next step is getting this message out.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

April 23rd, 2013 at 1:36 pm

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Grünes Crowdfunding: Geld gegen (hoffentlich) sonnige Rendite

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 Green Crowdfunding – Teil II – Energiewende erhält Rückenwind

Warum nicht gemeinsam spannende Umweltprojekte über das Internet finanzieren.

Die Ampeln stehen zweifellos vielerorts auf grün, wenngleich die meisten CO2-Verursacher immer noch grau oder schwarz angemalt sind. Laut Gründungsmonitor vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin nutzen vor allem Gründer die wirtschaftlichen Chancen bei der Green Economy, vor allem im sonnigen Kalifornien. Viele der untersuchten Inkubatoren zwischen San Francisco und Los Angeles fördern gezielt Gründungen in den Bereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Klimaschutz.

Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zahl der grünen Startups: In einigen Zentren dominieren laut Borderstep die „grünen“ Gründer bereits die Szenerie, indem sie mehr als die Hälfte der Unternehmen stellen. Der grün angehauchte Ideenpark Silicon Valley ist also alles andere als eine bloße Fiktion, wenngleich sich nicht jeder den ökologischen Luxus im Alltag leisten kann, zum Beispiel indem er sich ein teures Elektrofahrzeug leistet.

Warum aber in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt. Mittlerweile haben sich auch in Deutschland eine Reihe von Internet-Plattformen wie Sunnycrowd, Greenvesting, leihdeinerumweltgeld, crowdener.gy und bettervest etabliert. Offenbar sind mittlerweile auch private Investoren willens, sich aktiv an der Finanzierung der Energiewende zu beteiligen. Sich aktiv mit anderen Protagonisten via Internet zu vernetzen, lautet das Gebot der Stunde.

Für spannende neue Umweltideen gibt es Geld, und das Crowdfunding-Modell scheint sich hier neben den klassischen Energiegenossenschaften als weitere Schnittstelle zwischen Anbieter und privaten Investor zu etablieren.

Im Klartext: Die besten Umweltkonzepte finden künftig nicht nur bei Banken und Investoren neue Geldgeber, sondern auch breite Unterstützung im Netz, sofern die Internetgemeinde diese als aussichtsreich und attraktiv erachtet. Beim Crowdfunding kommt dabei in der Regel eine größere Zahl von Nutzern (= Crowd) zusammen, um sinnvolle Projekte in diesem Fall mit Hilfe eines Kredites oder einer anderen Beteiligungsform gegen eine konkrete Renditeerwartung zu unterstützen (= funding, investing).

Der Mehrwert der Crowdfunding-Plattformen ist laut Crowdfunding-Spezialist Seedmatch der einheitliche und transparente Zugang zu den Angeboten. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Ein schickes Projektvideo im Netz allein reicht nicht aus. Die Idee sollte möglichst ausgereift sein, also ein bereits fertiges Produkt bzw. eine klar erkennbare Dienstleistung vorliegen. Denn nicht jedes Projekt eignet sich für das Crowdfunding von Umweltprojekten.

In der Tat sind sowohl rechtlich als auch strukturell einige gravierende Besonderheiten zu bedenken. Das Modell ist generell nicht mit dem einer Genossenschaft zu vergleichen. Denn beim Crowdfunding wird in der Regel für ein bestimmtes Projekt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Kapital eingesammelt, um sodann das Vorhaben zu finanzieren. Bei einer Genossenschaft gründen die Initiatoren hingegen ein Unternehmen.

Mit diesem gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb werden laut Aussage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) dauerhaft für die Mitglieder Leistungen erbracht. Die Motivation der Beteiligten kann also bei einer Genossenschaft deutlich weiter reichen, als die rein gemeinschaftliche Finanzierung eines neuen Projektes mit einer klar definierten Renditeabsicht. Trotz der grundsätzlichen Unterschiede, beide Modelle können sinnvoll sein. Im Idealfall ergänzen sie sich sogar produktiv.

Als Vorreiter für die Kapitalspritze zur Bürgerenergiewende via Crowdfunding dienen Plattformen in Großbritannien und den USA, wie Abundance Generation oder Solar Mosaic. Beispiel Abundance Generation: Dort investieren Bürger kleine Beträge unter staatlicher Kontrolle der Financial Services Authority (FSA) in Wind- oder Solarprojekte. Die Rendite über eine Laufzeit von 20 Jahren liegt zwischen sechs und acht Prozent. Somit lässt sich bilanzieren: Eine neue Innovationswelle im grünen Sektor durch die Startup-Szene reift heran. Rückenwind erhält diese unter anderem durch das Crowdfunding.

Übrigens: Laut einem Forschungsbericht des Branchenanalysten Bloomberg New Energy Finance „Extraordinary popular solution: funding from crowds“ (Juli 2012) stellt die neue Investitionskategorie Crowdfunding im Umweltsektor mit durchschnittlichen Renditen von fünf bis neun Prozent mittlerweile auch für die Finanzbranche ein ernst zu nehmendes Phänomen beziehungsweise neues Marktsegment dar.

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Banken und andere Akteure im Bereich von Venture Capital auf diesen Innovationszug aufspringen. Auf der anderen Seite wird die erste Euphoriewelle spätestens dann wieder abflachen, wenn das erste Projekt gescheiter ist. Die Entwicklung wird dies aber kaum aufhalten, sonder nur die weitere Professionalisierung der Akteure voran treiben.

Written by lochmaier

April 22nd, 2013 at 7:08 am

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Green Crowdfunding: Wie viele grüne Apple’s entstehen

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Green Crowdfunding (Teil I) – Trends und Visionen

Das Stromnetz der nächsten Generation 2.0 verbindet mehr als nur den Zähler. Apps und andere Werkzeuge sorgen für mehr Transparenz, woher der Strom stammt und wie viel wir verbrauchen.

Mit diesem Beitrag starte ich eine Serie zum Thema grünes Crowdfunding, inklusive flankierenden Interviews. Hier wächst gerade etwas Neues heran. Zu sehen ist dies heute auch auf einer Crowdinvesting-Konferenz in Berlin, wo derartige Plattformen mittlerweile nicht nur vertreten sind, sondern auch inhaltliche Akzente setzen, wie das Crowdfunding-Modell für wichtige Zukunftsaufgaben der Menschheit eingesetzt werden kann.  

Rückblick: Als zentrale Anlaufstelle für eine IT-affine „grüne“ Gründergeneration folgte die diesjährige Computermesse CeBit ihrem Leitanspruch. Denn auf dem weltweit führenden Stelldichein der IT-Branche in Hannover standen im März nicht nur Bits und Bytes, Big Data, Cloud Computing oder die Datensicherheit im Fokus.

Die Computermesse widmete sich unter dem Leitmotiv der „shareconomy“ auch dem Lösungsbeitrag der Informationstechnologie zur Energiewende. Die 50 besten IT-Lösungen zur Energiewende präsentierten sich bei einem eigens dazu ausgelobten Wettbewerb mit dem wohl klingenden Namen „CODE_n“ www.code-n.org. „Smart Solutions for Global Challenges“ lautete das Motto dieser von GFT Technologies, Ernst & Young sowie der Deutschen Messe AG getragenen Initiative.

Die Halle 16 war dazu eigens in ein künstlerisches Ambiente eingetaucht worden, ganz im Kontrast zu den übrigen Messeständen. Zahlreiche Finalisten hätten dort mit ihren außergewöhnlichen Geschäftsmodellen rund um die Energiewende begeistert, freuten sich die Initiatoren von CODE_n von GFT Technologies. Überhaupt: Die diesjährige Computermesse Cebit untermauerte den gestiegenen Stellenwert von jungen Unternehmensgründern im Bereich von Greentech-Lösungen.

Grüne Berliner Start ups treiben die Entwicklung voran

Kaum zu übersehen dabei ist, dass sich Berlin als die kreative Metropolregion erweist, in der Unternehmensgründer von „grünen“ Geschäftsideen sich verstärkt tummeln, wie der private Carsharing-Spezialist carzapp oder die Plattform Changers.com, die in Europa und den USA den ersten Marktplatz für privaten Emissionshandel ins Leben gerufen hat.

Changers.com möchte so auf spielerische Art das Energieverhalten und Bewusstsein der Nutzer schärfen. Dazu braucht das junge Unternehmen erst einmal wie viele andere frisches Wagniskapital. Die Idee des Crowdfundings passe perfekt zu diesem Ansatz, sagen die Firmengründer von Changers.com. Jeder trage seinen kleinen Teil dazu bei, CO2 einzusparen. Aber erst über die Größe der Community erhalte das Ganze eine Dimension, die ein gesellschaftliches Umdenken wirklich anstoßen könne.

Fest steht: Clevere Umweltideen und Energiesparkonzepte dürften bald öfters direkt über die Nutzer, Kunden und Unterstützer finanziell gefördert werden. Denn auch in monetärer Hinsicht eigene Wege zu gehen, das scheint angesichts einer hierzulande nur gering ausgeprägten unternehmerischen Wagniskultur vielerorts notwendig zu sein. So mahnt der Firmenchef von GFT Technologies Ulrich Dietz gerade bei der älteren Generation mehr Begeisterung an, die Jüngeren darin zu motivieren, neue Lösungen zu entwickeln und entschlossen zu vermarkten.

Dieser nüchternen Einschätzung kann man nur zustimmen. Schließlich entsteht gerade auch in Deutschland als dem Land, das die Energiewende besonders intensiv vorantreibt, der Humus für viele kleine „Apple der Energiewende“. Um es klarzustellen: Nicht das Geschäftsmodell von Steve Jobs & Co. lässt sich auf die Energiewende im Sinne der shareconomy portieren, sondern der unternehmerische Charakter und die Einstellung der Innovatoren dahinter.

Das wichtigste Element ist und bleibt die Leidenschaft einer charismatischen Leitfigur namens Steve Jobs. Vom verstorbenen Präsentationsgenie können gerade junge Firmengründer und Start ups viel lernen. Die leicht abgewandelte Botschaft von Steve Jobs könnte wie folgt lauten: Verkaufe nicht nur irgendein Produkt, sondern im Sinne der ökologisch-sozialen Nachhaltigkeitsagenda auch eine gesellschaftliche Zukunftsvision dahinter, um die Nutzer – ganz im Sinne von CODE_n – zum Teilen und zur Weitergabe zu motivieren und zu begeistern.

So lässt sich jenseits der aktuell noch immer grassierenden „Appmania“ bilanzieren: Das Kleine wird durch das Crowdfunding der Energiewende größer – man denke dabei nur an das Smartphone und die App -, während das Große in seiner Bedeutung schrumpft. Zum Beispiel die Energiemonopole, die künftig nicht mehr jeden Stromzähler kontrollieren.

Written by lochmaier

April 17th, 2013 at 8:28 am

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Ich glotz Social TV, mit der Bank in der Westentasche

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Welche Schlussfolgerungen können nun Banken aus dem zuvor skizzierten technologischen Wandel beim “Smart oder Social TV” ziehen, der das Nutzerverhalten in den kommenden Jahren erheblich beeinflussen wird.

Zunächst einige persönliche Inneneinsichten, die ich selbst beim Experimentieren mit Bewegtbild-Formaten gesammelt habe. In den letzten Jahren habe ich einige Videoblog-Postings auf meinem Youtube-Kanal “Doktor Spar” veröffentlicht. Der bescheidene kleine Publikumsrenner mit mehr als 8.000 Zugriffen war meine Parodie auf unseren ehemaligen Bundes(selbst)verteidigungsminister:

Doktor Spar: Ich war der Ghostwriter von Guttenberg  

 

Damit wir uns aber nicht missverstehen: Komplexe Hintergrundthemen, wie eben gerade die Welt des Geldes und der Finanzen, sind nicht dazu da, hohe Klickzahlen zu generieren. Auf Youtube zählt für die breite Masse etwas anderes, nämlich das gewisse Etwas beim Infotainment. Und Geld ist – entgegen mancher landläufigen Meinung – in seinem gesellschaftlichen Bezügen alles andere als sexy und leichtverdauliche Kost.

Will heißen: Mit Hochglanzvideos, aber auch spontanen Slapstick-Einlagen wird man diesem Thema nicht gerecht. Und deshalb muss sich die Finanzindustrie auch erst einmal komplett neu erfinden, bis wir hier zu spannenden Formaten gelangen werden. Wie die aussehen könnten, darüber werde ich ab und an hier sicherlich noch berichten. Hier aber erst einmal eine Analyse der aktuellen Trends beim “Social TV in der Bankenbranche” (jetzt wird es etwas trockener).  

Die Kernbotschaft dahinter: Der ehemalige Fels in der Brandung schrumpft zur Bank in der Westentasche.

Zum einen steht für die große Masse der Fernsehzuschauer auch weiterhin der passive Medienkonsum im Vordergrund, trotz der durch Social TV erweiterten Spielmöglichkeiten. Jedoch zeichnet sich heute bereits ab, dass sich je nach Branche und Sparte gewisse Marktnischen etablieren, mit anspruchsvollen Kommunikationswerkzeugen und Mehrwertdiensten. Dies bedeutet, dem Aufbau und der Pflege von sozialen Medienkanälen etwa über Newsdesk-Funktionen einschließlich von Hintergrundinformationen im Sinne von Bildformaten eine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.

Denn wenn es sich um die geschäftliche Kernkompetenz eines Unternehmens handelt, mit der man Geld verdient, dann empfiehlt es sich auch, wohl überlegt und dosiert darüber über die sozialen Medien zu sprechen. Getreu dem Motto: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. So lässt sich nicht nur der Dialog mit unterschiedlichen Stakeholdern befördern. Es entstehen auch kleine Netzwerke mit fachspezifischer Ausprägung, die sich zu einem größeren Ganzen verbinden. Vom Aspekt der Image- und Markenpflege einmal abgesehen.

Die wichtigsten Motive und Ziele bei der Präsenz in den sozialen Netzwerken lassen sich mit Blick auf Social TV dabei wie folgt umreißen: Erstens, das eigene Unternehmen mit inhaltlichen Argumenten in lebendiger Bildsprache vorzustellen. Zweitens: Neue Beziehungen knüpfen, auch um die Wertschöpfungskette zu erweitern. Drittens: Durch das Netzwerken im Sinne der Mehrkanal-Kommunikation zu „lernen“. Denn nur wer das Ohr eng am Puls des Kunden hat, kann seine Produkte gezielt auf dessen Bedarf fokussieren. Warum also nicht komplexe Inhalte zu Finanzthemen anhand von anschaulichen Graphiken und Zusammenhängen gezielt über den eigenen Videokanal visualisieren und verbreiten, sprich via Social TV.

Etwa mit dem Ziel, sich dadurch aktiv in einen fachlichen Dialog einzuklinken, um die besonderen Kompetenzen herauszustellen. Wer die heute vorhandenen Instrumente einschließlich eines fundierten Web Reputation Managements sorgfältig nutzt und fortlaufend pflegt, für den stellen die sozialen Medien bis hin zum neuen Spielfeld Social TV einen produktiven Ansatz dar. Das Unternehmen kann aus dem Schattendasein heraus treten, die passenden Ideen vorausgesetzt. Dies setzt natürlich eine konsistente Strategie zwischen Management und den Fachabteilungen voraus. Aber fest steht auch: Mehr Menschen als man glaubt, interessieren sich dafür, welche Aufgaben zum Beispiel ein Finanzspezialist oder Kundenberater im Arbeitsalltag erledigt. Sofern er denn im Sinne des Kunden agiert und nicht gegen ihn. Die Bildsprache bietet hier ein breites Anwendungsspektrum, richtig und seriös eingesetzt, ohne technisches Blendwerk.

Ein Bild sagt mehr (weniger) als tausend Worte

Warum also nicht die Welt der nackten Zahlen einmal mit einer Prise Humor und unter einem persönlichem Blickwinkel betrachten? Dadurch kann im Idealfall ein Vorteil für alle Beteiligte entstehen, im sorgsam geflochtenen Beziehungsdreieck zwischen Unternehmen, Partnern und Kunden. Der fachlich-intellektuelle Austausch und Dialog mit engagierten Kollegen, Kunden und Partnern kann eine Art von „sozialer Extrarendite“ generieren. Denkbare inhaltliche Schwerpunkte für die individuelle Videoplattform lassen sich wie folgt beschreiben:

- Finanzielle Themen mit verständlicher Bildsprache darstellen

- Sich zu bestimmten Fachthemen als Finanzexperte profilieren

- Interessante Randthemen und Inneneinsichten zur Branchenkompetenz formulieren

- Sich mit anderen Videoformaten aktiv vernetzen, um Leitthemen innerhalb eines dezidierten Branchenfokus voran zu treiben

Strategie, Zielgruppen und Werkzeuge

Vor der operativen Umsetzung von entsprechenden Videoformaten steht die genaue Analyse der geeigneten Themenfelder und Zielgruppen, die sowohl nach außen als auch nach innen gerichtet sein können. Handelt es sich etwa beim Bereich des Personalmanagements um Ausbildungsinhalte, so lassen sich fundierte und praxisnahe Einblicke in die alltäglichen Arbeitsgebiete und Herausforderungen gerade in erklärender Bildsprache vermitteln. Allerdings darf es schon gerne etwas mehr als eine durchs Werbebild joggende Lena Kuske von der Commerzbank sein, an die ich bereits einen offenen Brief geschrieben habe, der die große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zeigt.

Im Bereich der Kundenkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit wiederum stellt sich die Frage, welche besonderen Stärken sich hier über das bewegte Bild heraus arbeiten lassen. Zunächst gilt es, zwischen den unterschiedlichen Zielgruppen ein möglichst feinmaschiges Raster zum jeweiligen Informationsbedarf zu erstellen, etwas zwischen Privatkundengeschäft und Corporate Banking. So offeriert etwa die Deutsche Bank für die unterschiedlichen Zielgruppen ergänzende Videoinhalte über Youtube als die zentrale Kommunikationsdrehscheibe, zum Beispiel zum Thema Energieeffizienz in den Unternehmen und die damit verbundenen staatlichen Fördermöglichkeiten.

Wenngleich die Zugriffszahlen von bildhaften Informationen zu komplexen Finanzthemen nicht überbewertet werden sollten, muss es nicht zwangsläufig bei einer zahlenmäßig kleinen Zielgruppe bleiben. Das Anfang 2012 etwa von der Deutschen Bank ins Netz gestellte Video „Private Banken und die deutsche Volkswirtschaft“ wurde bis Ende November von mehr als 200.000 Nutzern angeklickt.

Laut Auskunft der Deutschen Bank sind die bisher gemachten Erfahrungen mit neu entwickelten Kurzfilmformaten zu verschiedenen Themen auf YouTube dabei generell sehr positiv verlaufen. Man habe die Anzahl der Zugriffszahlen (Views) sogar enorm steigern können. Das aber allein reicht nicht aus, denn die größte deutsche Bank erhält automatisch einen gewissen Aufmerksamkeitsbonus. Umso mehr fehlt es den meisten Inhalten an Lebendigkeit. Alles wirkt bislang von oben durchgestylt, das alte hierarchische Bankenkommunikationsmodell eben.

Ebenfalls ein individuelles Video-Projekt in Angriff genommen hat die Bethmann Bank. Bei der Plattform „Weltenwandler“ handelt es sich um ein Online-Fernsehformat, das Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten zu grundlegenden Dialogen und Diskussionen zusammenführen soll. Jeweils zwei Gesprächspartner stellen sich dabei gesellschaftspolitischen Fragen aus dem Zeitgeschehen. Das Finanzinstitut möchte Zuschauer jenseits von gängigen Fernseh-Talkshows mit anspruchvollen Inhalten versorgen. Mehr noch: Der Weltenwandler möchte zur aktiven Mitarbeit anregen. Die Zuschauer können dazu den Dialog eigenständig fortsetzen, indem sie Meinungen und Kommentare in einem Chat veröffentlichen. Einführende Features ergänzen die jeweiligen Themenfelder. Auch dies ist bislang nicht viel mehr als ein erster Ansatz, dem es an Durchschlagskraft und Konsequenz fehlt.

Zwischenruf: Ich sehe übrigens die Riege der Finanzblogger an vorderster Stelle, wenn es darum geht, den Dialog zwischen Banken, Medien und der breiten Öffentlichkeit gerade über lebendige und ungeschönte Bewegtbildformate zu intensivieren. 

Weiter in der Videoschau, die mich noch nicht vom Stuhl reißt. Die größte deutsche Direktbank ING-DiBa setzt auf ihrer Informations-Plattform finanzversteher.de auf das „Youtube-Fernsehzimmer“, in dem Nutzer erläuternde Videos zu bestimmten Produktkategorien finden, um die Chancen und Risiken einzelner Anlageklassen in visueller Form besser nachvollziehen zu können. Okay, auch dies kein schlechter Ansatz, aber auch hier fehlt es an Lebendigkeit, Frische und entwaffnender Direktheit.

Ein weiteres Beispiel stammt vom Online-Broker CortalConsors. Er gewährt via Bildformat „Backstage“ Inneneinsichten mit Unterhaltungswert in das eigene Unternehmen. Ob ich dadurch ein erfolgreicherer Akteur, oder doch nur oberflächlich neu frisierter Anleger werde? Kurzum, viele Wege und Stilmittel führen ans gewünschte Ziel, den Dialog mit unterschiedlichen Stakeholdern weiter zu intensivieren. Das gelingt leider noch nirgendwo.

Best Practices im bewegten Bankenbild – bislang sind sie Fehlanzeige. Gut zu wissen. Denn dabei werden die Banken sich in globaler wie lokaler Hinsicht mit neuen Wettbewerbern insbesondere aus dem Umfeld der IT-Branche auseinandersetzen müssen. Spezialisierte Anbieter haben das Potential der visuellen Finanzinformation ebenfalls erkannt. Den Erfolgsschlüssel hat allerdings von den “Branchenfremden” noch keiner gefunden, oder hab ich da was übersehen?

Denkbar sind neben dem grundsätzlichen Rüstzeug auch auf aktuellen Anlässen basierende fachbezogene Expertenrunden. Etwa zu spezifischen Themen von allgemeinem Interesse, die moderne Darstellungsoptionen wie Videochat und Webinar auf sinnvolle Art und Weise kombinieren. Vergessen Sie bitte an dieser Stelle das unsägliche Gewinnspiel, um für mehr Verkehr auf den Videoseiten zu sorgen!

Fazit: Bislang stehen vermeintlich unkalkulierbare Reputationsrisiken bei der Außendarstellung von Finanzthemen im Vordergrund. Andererseits reicht es bei der um interaktive Bildkanäle ergänzten Social TV-Strategie keineswegs aus, nur „trockene, unpersönliche Hochglanzvideos“ zu produzieren. Vielmehr dreht sich gerade beim Aufbau der visuellen sozialen Medienkanäle alles um eine lebendige persönliche Ansprache, natürlich konform zu den Compliance-Vorgaben, die aber oft genug nur als Vorwand herhalten, nichts Neues ausprobieren zu müssen.

Die Herausforderung besteht darin, vermeintlich komplexe Themen aus der Finanzwelt auf klar verständliche Bildbotschaften zu verdichten, ohne dabei jedoch wesentliche Inhalte verkürzt oder gar verfälscht darzustellen. Jedes “Fake” wird übrigens zurecht mit einem umso stärkeren shitstorm beantwortet. Den Kopf in den Sand stecken, kann aber nicht die Option sein. Denn umso mehr sind Finanzdienstleister gefragt, die das verfügbare Kreativitätspotential voll ausschöpfen – und die in der Lage sind, mit frischen Ideen bei ihren “Stakeholdern” (= die Gesellschaft) zu punkten.

Social TV: Hypothesen zur Zukunft des interaktiven Fernsehens

Das „Mitmach-TV“ via Apps, Social Media und Spielen etabliert sich. Das Wohnzimmer ist nicht mehr die abgeschlossene kleine Welt. Die Erlebnisse werden in Echtzeit mit Freunden und Fans auf dem ganzen Globus geteilt.

Nicht das Programm bestimmt die Nutzer, sondern diese bestimmen das Programm. Dies bedeutet, dass die Zuschauer in Zukunft die Sendung ihrer Wahl zum Zeitpunkt ihrer Wahl anschauen.

Durch leistungsstarke Such-Algorithmen und -Funktionen wird die Auswahl von Sendungen, Filmen und Musik deutlich individueller.

Die Werbung der Zukunft könnte völlig anders aussehen: Interaktiv und gezielt auf die persönlichen Vorlieben zugeschnitten.

Die Fernbedienung rückt in den Hintergrund. Das TV-Gerät lässt sich auch via Smartphone und Tablet sowie mit Gesten und Sprache steuern.

Auch kleine Endgeräte bilden kein Hindernis mehr: Smartphone und Tablet bilden eine Einheit, um  TV-Sendungen künftig überall hin mitzunehmen.

Quelle: Rovi/Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

April 14th, 2013 at 3:34 pm

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Wells Fargo: Videoartisten erobern Bankfiliale, Mitarbeiter entlassen

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In meinen ersten beiden Teilen zum Thema Bewegtbild und Banken habe ich die Richtung aufgezeigt. Nun folgt vor dem letzten Teil ein aktuelles Praxisbeispiel, um das Thema vom Blickwinkel der Krisenkommunikation zu beleuchten.

Der Schauplatz war im März eine Bankfiliale von Wells Fargo in Atlanta. Dort übernahmen Videokünstler nach Schalterschluss die Regie. Es waren wohl auch einige Mitarbeiter beteiligt. Die sind jetzt draußen vor der Türe, sprich entlassen.

Zum Hintergrund: Binnen weniger Wochen erreichte das folgende Video “Harlem Shake” fast 200.000 Zugriffe auf Youtube. Aber schauen Sie sich selbst die knapp einminütige Videoperformance an:

 

Wer hätte das gedacht? Einige Mitarbeiter lassen nach Feierarbend gemeinsam mit den Videoartisten “die Puppen tanzen”. Mir selbst hat die Art und Weise, wie die Künstler auf sich aufmerksam machen, allerdings nicht ganz gefallen. Die künsterische Botschaft dahinter ist mir alles andere als klar geworden, so dass man sich die Frage stellt, ob es sich hier nicht nur um billiges Selbstmarketing handelt, basierend auf der allgemeinen Welle des Bankenbashings.

Doch möchte ich die persönliche Geschmacksfrage, wer hier was für Kunst oder Kitsch und geschmacklosen Kommerz erachtet, an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen. Hier geht es um etwas anderes. Wie konnte es zu einem solchen Videoevent kommen – und wie fielen die Reaktionen der Bankmanager auf diesen ungewöhnlichen Vorfall aus?

Um sich einen Überblick über die Medienresonanz zu verschaffen, empfehle ich zwei Beiträge. Die klassische Berichterstattung in der New York Post, die beschreibt, wie sich die Wells Fargo (Bank) von diesem Film klar distanziert.  Deutlich aussagekräftiger ist allerdings ein Blogeintrag im Atlanta Journal Constitution, weil er zahlreiche kontroverse Leserkommentare enthält.   

Ein kurzer Auszug aus dem Artikel:

In a statement, the bank said, “”This was something that our team members participated in on their own time. It was not approved by the company and Wells Fargo did not produce the video.”  The bank did not say whether there were repercussions for the employees.

Patterson said he didn’t know how many bank employees participated. “I don’t know who was a bank employee and who wasn’t,” he said. “They came ready. Everyone had their own costume.” He also said he was told everyone from the bank involved in the video was suspended.

Quelle: Atlanta Journal Constitution (Blog)

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema: War es notwendig, einige Mitarbeiter zu entlassen, die sich offenbar an dem Event nach Feierabend beteiligt haben – oder zumindest davon gewusst haben, den beiden nicht ganz unbekannten Videoartisten ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen?

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich vor einem solchen Schritt einmal genauer mit der eigenen Unternehmenskultur auseinanderzusetzen. Stimmt das Betriebsklima? Ist das Anreizsystem in der Bankfiliale das Richtige? Haben die Mitarbeiter die Konsequenzen ihres Handeln unterschätzt? Dies sind nur einige Fragen, die man sich aktiv stellen  sollte.

Es gibt im Hintergrund aber noch eine andere Version der Geschichte, die mir gestern aus den USA zugespielt worden ist, nämlich, dass es sich hier um eine virale Marketingkampagne gehandelt hat. Dazu ließ mein Informant folgendes verlauten:

The Harlem Shake viral video storm has swept through the financial industry, many companies created their own office based versions to create brand awareness and reveal a ‘fun’ side of their corporate brand. FNB, one of the most innovative banks in the world, took the approach one step further by integrating the video inito a career campaign to attract talent. Successful use of viral videos provide exciting content for consumers that can grow further through word of mouth, increasing reach with reduced costs.

Soweit die Info aus dem einschlägigen digitalen Umfeld in den USA. Nun lässt sich nicht nur über den künstlerischen sondern auch den inhaltlichen Geschmack bekanntlich trefflich streiten.

Ist das Dementi der Bank nun Teil der Kampagne oder das Gegenteil? Welche Version ist nun die echte Videoversion, die virale oder die offizielle? Ach, bilden Sie sich doch selbst ein bewegtes Bild. Kommentare gerne erwünscht.

Written by lochmaier

April 11th, 2013 at 7:54 am

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Offener Brief an Deutsche Bank: Bürger gestaltet die Q110 neu!

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Jetzt nervt der Typ schon wieder: Nachdem ich bereits an die Protagonistin der neuen Commerzbank-Werbespots, Lena Kuske, einen offenen Brief geschrieben habe, um die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verdeutlichen, nun ein weiterer Brief. Dieses Mal an das noch etwas größere Geldinstitut, die Deutsche Bank.

Offener Brief an die Kunstmäzene der Deutschen Bank in den heiligen Glashallen von Mainhatten:

Liebe Kunst- und Menschenversteher,

Eure Kunstaktion für Jedermann in Berlin finde ich toll. Klasse, wenn jeder seine eigenen Bilder in einem Kunstmuseum ausstellen darf. Warum aber übertragt Ihr die Aktion nicht auf Eure so grässlich gestalteten Bankfilialen. Also dorthin, wo mich sonst nur noch die Suche nach dem nächsten Geldautomaten hinzieht.

Warum engagiert Ihr immer nur teure Profidesigner und Werbegurus, die alles in künstliches grelles Licht tauchen? Denn ich habe mich gefragt, wie eine moderne Bank im 21. Jahrhundert aussehen sollte, in der die Menschen weiter in den Mittelpunkt rücken. Manche nennen das auch die real existierende Wirtschaft, oder den letzten Rettungsschirm in unserem Finanzsystem.

Also liebe Kunstmäzene, lasst die Schwarmintelligenz doch mal auch bei Euch im eigenen Hause wirken. Getreu dem Motto: Bürgerkünstler aller Welt und vor Ort, gestaltet die tolle Vorzeigefiliale der Deutschen Bank, die Q 110 in Berlin komplett um. Sie ist ja nur einen Steinwurf  von der Bürgerkunstwende entfernt. Als Hauptpreis schlage ich vor: Eine Million Euro (alternativ 2 Millionen D-Mark).

Schlagt Ihr ein in den Deal?

Dieser Beitrag wurde inspiriert durch meinen früheren Blogbeitrag:

Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten 

Darin habe ich elf Fragen bzw. Stimmungsbilder zum Filialdesign zur Diskussion gestellt, auf die es auch jenseits der Deutschen Bank in der Branche bislang keine überzeugenden Antworten gibt.

 

Written by lochmaier

April 10th, 2013 at 8:23 am

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Beuys für Jedermann: Wie die Deutsche Bank ihr Image poliert

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Die Analogie zu Brecht und anderen Größen des Deutschen Theaters liegt nahe: Irgendwas mit “Jedermann” zu unternehmen, gemeinsam mit dem Bürger, ist plötzlich ein Modetrend. Siehe mein vorheriger Beitrag zum “Jedermann TV”. Nun versucht die Deutsche Bank aus den negativen Schlagzeilen mit Hilfe der Kunst herauszukommen. Das neue Werbevehikel: Die Kunsthalle im neuen Museum in Berlin. Dort stellen derzeit nicht hochrangige Künstler ihre Exponate aus, sondern Bürger. Die Resonanz fiel überraschend groß aus.

Zunächst einmal gilt es zwei Dinge gerade zu rücken. Erstens: Jeder Mensch ist ein Künstler, diese simple Weisheit wusste schon der Performance-Künstler Joseph Beuys geschickt auszunutzen. Zweitens: Banken betreiben seit Jahrhunderten Kunstsammlungen und agieren als Mäzene, Spender und Stifter. Beides also nichts Ungewöhnliches.

Ungewöhnlich ist nur das neue Umfeld der Kunst in Berlin, das Anfang dieser Woche gestartet ist. Denn die Deutsche Bank macht in Kunst für alle. Zu sehen in der Kunsthalle Unter den Linden in der Haupstadt. Über den Facebook-Auftritt der Deutschen Bank erhält man den aktuellen Status. Dies führt zu der Frage, entmachtet Kunst auch die Macht, dort wo sie nicht angemessen ausgeübt wird?

Titelbild

Bevor man sich solch schwer verdaulichen philosophischen Fragen zuwendet, sollte man zunächst die Leserkommentare studieren, die Jedermann-Künstler, Betrachter und Besucher beim Besuch der Bürgerkunstausstellung abgeben. Es gibt einige kritische Kommentare (zahlt den Bürgerkünstlern doch etwas für ihre Kunstwerke, oder: Alles nur Show und Imagekosmetik). Überwiegend aber fällt die Resonanz der Besucher auf die Aktion positiv aus.

Die Medienresonanz fällt ebenso gut aus. Dies erweckt fast den Eindruck, wir hätten es hier mit einer ganz anderen Bank zu tun, einer Art Sparkasse oder Volksbank, die sich plötzlich um die Menschen und die Realwirtschaft kümmert, als irgendwelchen waghalsigen Manipulationen des Libor-Zinssatzes oder sonstigen windigen Geschäften nachzugehen.

Natürlich, um auch dies gerade zu rücken, besteht die Bankenwelt nicht nur aus Schwarz- und Weiß, sondern aus vielen Kontrasten dazwischen. Die Deutsche Bank wird aber auch weiterhin die Gemüter entzweien, solange sie die Zeichen der Zeit noch nicht vollständig erkannt hat. Denn die Bankfiliale selbst sollte zum kulturellen und kommunikativen Versammlungsort werden, will sie jenseits vom Geldautomaten eine Überlebenschance haben.

Im vergangenen Jahr habe ich in meinem Beitrag…

Q 110: Die Zukunft der Bankfiliale? 11 Fragen und 0 Antworten

… die Defizite einer innovationsgetriebenen, aber völlig blutleeren Filialumgebung bereits thematisiert.  

Und damit bin ich bei meiner neuen Kunstaktion, in dem der “Jedermannperformer” hoffentlich schon bald mitwirken darf: 

Bürgerkünstler, Gestaltet die tolle Vorzeigefiliale der Deutschen Bank, die Q 110 um. Der Hauptpreis: Eine Million Euro (alternativ 2 Millionen D-Mark).

Lesen Sie dazu meinen nun folgenden, offenen Brief an die Kunstmäzene der Deutschen Bank in den heiligen Glashallen von Mainhatten.

Written by lochmaier

April 10th, 2013 at 8:06 am

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