Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

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Finanzblogs (Teil II) – Neue Formate und Inhalte beleben

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Finanzblogs haben großes Nischenpotential. Den Weg vom Außenseiter zum Vorreiter in der vernetzten Wirtschaftskommunikation beleuchte ich im zweiten Teil der vierteiligen Serie.

Jenseits einer allzu optimistischen Prognose zur neuen Spezies Finanzblogs steht der nüchterne Befund. Ein kritisches Fazit zieht Felix Salmon, der im Magazin der Süddeutschen Zeitung zehn Gründe aufgelistet hat, warum Blogs in Deutschland generell noch nicht so erfolgreich sind wie in Großbritannien oder den USA. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind gerade thematisch hoch spezialisierte Blogger deshalb oftmals auf die Unterstützung der klassischen Medienwelt angewiesen, um an Reichweite und Durchschlagskraft zu gewinnen.

Andererseits lässt sich auch in der „Nische“ ein gewisser Expertenstatus heraus bilden. Mit Blick auf die Finanzwelt gibt es in der internationalen Perspektive bereits eine Reihe aus der Masse herausragender Formate, freilich mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten, von der Kapitalismuskritik bis hin zum Börsenblog. Ein Überblick über relevante Formate zum Thema Banken und Finanzen bietet etwa der Nachrichtendienst thefinancialbrand: Best Banking Blog Readers Choice 2012.

Von einer Revolution oder gar Etablierung eines neuen Medienformats zu sprechen, erscheint zwar für manche verfrüht. Dennoch: Die Szene der klassischen Wirtschaftsberichterstatter, Marktanalysten und Finanzpropheten wird durch die einschlägige Blogosphäre bunter, vielfältiger, mitunter auch erheblich detailreicher und kritischer. Zweifellos spielen profilierte Wirtschafts- und Finanzblogs künftig in der qualitativ hochwertigen Nische eine prägende Rolle, dessen Charme sich auch der mediale Durchschnitt nicht entziehen kann, um frische Ideen aus dem Reservoir der Tagebücher zu schöpfen.

Eine visionäre Entwicklung in Richtung „Finanzjournalismus 2.0“ scheint greifbar, das seinen Markt von den medialen Rändern her ausweitet. Online-Portale mit Blogcharakter wie Businessinsider oder Zerohedge kombinieren bereits heute auf geschickte Art und Weise die Welt der Nachrichten mit hintergründiger Berichterstattung. Einige Adressen haben als relevante Meinungsführer und Multiplikatoren sowie Newsaggregatoren jenseits vom reinen Blogformat die Nische verlassen.

Mittlerweile verfügen Businessinsider und Co. in den USA nicht nur über nennenswerte Reichweiten, Werbeeinnahmen und personelle Ausstattung. Sie gehören auch zu den von Leitmedien immer wieder genannten Quellen, etwa wenn es sich um exklusive Geschichten oder persönlich eingefärbte Hintergrundberichte handelt.

Deutschland zieht langsam nach

Wer die Argumente des Finanzjournalisten Felix Salmon indes genauer unter die Lupe genommen hat, der versteht, warum gerade thematisch hoch spezialisierten Blogs kein rasanter Durchbruch bevor stehen kann. Gerade komplexe Themen entziehen sich dem intellektuellen Durchschnitt. Hinzu kommt die von Salmon beschriebene spezifisch deutsche Befindlichkeit.

Oder provokanter zugespitzt: Wer nicht durch eine Institution geadelt ist und deren Glanz – unabhängig von den eigenen Fähigkeiten – auf sich herunter fallen lassen kann, der hat als individueller Außenseiter kaum eine Chance, von den etablierten Experten- und Medienzirkeln wahr genommen zu werden.

Doch betrachten wir die Thematik jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. Eine Übersicht über die deutsche Szene der Finanzblogger gibt beispielsweise die Webseite finanz.de.

Der informellen Mediengattung widmen sich mittlerweile aber auch Wissenschaftler und Marktforscher. So erwarten die Kommunikationswissenschaftler der Fachhochschule Mainz einen deutlichen Wachstumsschub für die deutsche Bloglandschaft. Siehe dazu: Andrea Beyer/Lothar Rolke: Deutschland Deine Blogger, ein persönlicher Report aus der Blogosphäre, Mainz 2013.

Welche Brückenfunktion spielen Blogger nun für die Öffentlichkeitsarbeit in den Unternehmen? Das beschreibt Professor Thomas Pleil in einer zweiteiligen Serie auf seinem eigenen Weblog. Erster Teil: Blogger verstehen und identifizieren. Zweiter Teil: Blogger verstehen und identifizieren.

Was die Auswahl von ebenso geeigneten wie methodisch praktikablen Key Performance Indikatoren angeht, so tasten die Experten sich erst noch heran. Denn die Kriterien „Beitragsmenge, Reichweite, Verlinkung, Leserzahl und direkte Vernetzung“ sind gerade bei speziellen Themen oftmals zu grob gestrickt, um wirklich aussagekräftig zu sein. Zweifellos steht die Bedeutungsanalyse, neudeutsch „Blogsemantik“, erst am Beginn ihrer Forschung.

Immerhin: Seit dem vergangenen Jahr ermittelt das Fachmagazin Pressesprecher gemeinsam mit der Kommunikationsagentur aserto die „Meinungsführer“ in ihren jeweiligen Spezialgebieten, also 20 bis 30 Plattformen, die in ihrer Branche als relevant einzustufen sind. Zu den beleuchteten Zielgebieten gehören die Bereiche Energie, Versicherung, Netzpolitik, Medienrecht, Finanzthemen, Medien und Auto. Auch an dieser grobmaschigen Differenzierung ist sicherlich noch weiter zu arbeiten. Im Klartext: Nicht Masse ist gefragt, sondern Klasse, um sich in der „Nische“ vom Wettbewerb zu differenzieren.

Written by lochmaier

Mai 23rd, 2013 at 8:39 am

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