Um die mit der Energiewende und dem Atomausstieg verbundenen Ziele zu erreichen, sind neue Akteure notwendig. Denn die in der Energiewirtschaft traditionell tätigen Unternehmen – insbesondere die führenden Stromkonzerne – sind kaum in der Lage, auf die veränderten Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren.

Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die herausfinden soll, welche Potentiale in jungen Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien stecken, mit welchen Schwierigkeiten sie sich konfrontiert sehen und wie erfolgreich sie letzten Endes sind (http://www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=639222.html).

Auf den ersten Blick hat die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gemeinsam mit der E-Bridge Consulting GmbH und dem Verband der Vereine Creditreform durchgeführte Untersuchung recht erfreuliche Ergebnisse zutage gefördert. Die Zahl der im Kontext der erneuerbaren Energien aktiven Jungunternehmen hat seit der Jahrtausendwende rasant zugenommen. Insbesondere bei der Energieerzeugung, -verteilung und -versorgung stellen die Experten eine starke Dynamik fest.

Außerdem entwickeln sich die „grünen“ Neugründungen besser als Neugründungen in anderen Marktsegmenten. Sie weisen einen hohen Innovationsgrad auf, erobern Nischen und bringen neue, wirtschaftliche Produkte zur Energiegewinnung auf den Markt. Darüber hinaus generieren sie schon früh nennenswerte, sprich größere Umsätze – und die grünen Startups zeichnen sich durch ein geringeres Ausfallrisiko als Jungunternehmen aus, die nicht im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind.

Allerdings ist auch hier nicht alles Gold was glänzt. Das Potential, das in den „grünen“ Neugründungen ganz offensichtlich steckt, kann sich oft nur schwer oder auch gar nicht entfalten. Die ohnehin schon mutigen Gründer sehen sich tagaus tagein mit vielfältigen Schwierigkeiten konfrontiert. Grundsätzlich scheitern grüne Gründungen aufgrund des höheren Kapitalbedarfs, längeren Entwicklungszeiten und unübersichtlichen Zielmärkten deshalb oft schon in der ersten Phase.

Zunächst machen den grünen Gründern zwischen Lust und Frust oftmals unklare rechtliche und politische Rahmenbedingungen das Leben schwer. So berichten sie beispielsweise von Schwierigkeiten schon bei der Gründung ihrer Unternehmen. Häufig sind die Genehmigungsbehörden mit ihren Anliegen überfordert, da sie es hier mit neuen Aktivitäten zu tun haben, die Wege erfordern, die diese noch nicht kennen.

Zudem berichten die „grünen“ Gründer häufig von Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihrer Vorhaben. Der Finanzierungsbedarf ist gerade in der Gründungsphase vergleichsweise hoch. Nicht selten bedarf es größerer Investitionen in die zunächst schwer einzuschätzenden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Die benötigten Finanzierungsmittel bekommen sie daher oft nur, wenn sie den entsprechend hohen Finanzierungsanforderungen auch gerecht werden können. Auch für den Investor sind die grünen Startups nur dann ein lohnenswertes Ziel, wenn es nicht darum geht, schnell erfolgreich Kasse zu machen.

Und offensichtlich bleiben diese Schwierigkeiten nicht ohne Folgen. Die Forscher fanden nämlich auch heraus, dass die Gründungsdynamik im Bereich der erneuerbaren Energien zuletzt stark eingebrochen ist. Kurz: Seit 2010 hat sich die Zahl der „grünen“ Neugründungen halbiert. Doch wie konnte es soweit kommen? Was hat sich in den letzten Jahren verändert, so dass der Drang nach „grünen“ Gründungen derart stark abgebremst wurde? Die Experten führen den Einbruch auf die zwischenzeitliche Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke, die zuletzt schier endlosen Diskussionen um die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und – nicht zu vergessen – die Krise in der (deutschen) Solarindustrie zurück.

Vor diesem Hintergrund muss der Dämpfer „grüner“ Innovationsfreude also keineswegs überraschen. Denn Pioniergeist und Unternehmertum brauchen langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Wie sollen die „grünen“ Jungunternehmer denn etwas wagen, wenn die politischen und finanziellen Umstände vor allem dazu führen, die ohnehin schon unsichere Situation noch weiter zu erschweren?

„Grüner“ Gründergeist wird sich also nur innerhalb eines  einigermaßen stabilen finanziellen und politischen Rahmens entfachen lassen. Ohne Maßnahmen, die geeignet dazu sind, Planungssicherheit herzustellen, wird es nicht nur an der Gründungslust, sondern auch an geeigneten Investoren und Geldgebern fehlen. Wenn die Bundesregierung die Energiewende auch weiterhin mittels innovativer Ideen und intelligenter Lösungen von Startups vorantreiben will, dann wird sie den „grünen“ Gründern gleichermaßen klare und verlässliche Rahmenbedingungen bieten müssen.

Vielleicht braucht es auch noch zusätzlichen Rückenwind durch einen maßgeschneiderten und längerfristig angelegten Masterplan für die Förderung grüner Startups, an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik. Derartige Wachstumsspritzen sollten allerdings jenseits billiger Subventionsgeschenke nicht mit der Gießkanne verteilt werden, denn nur auf den Stärken der deutschen Industrie und der unzähligen kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen kann eine „grüne Innovationskultur made in Germany“ wirklich gedeihen.

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